Dominique Böttcher

"Hier fühle ich mich wohl"

Nach der Arbeit treffen wir uns am Fuß-Ball-Stadion. Es ist das Max-Morlock-Stadion in Nürnberg.

Die nächsten Spiel-Tage sind sehr wichtig. Denn es geht um den Klassen-Erhalt.

Entweder steigt der „Glubb“ in die 3. Liga ab oder wir können in der 2. Bundesliga weiter spielen. Glubb, das ist der 1. FC Nürnberg.

„Wenn wir absteigen, flippe ich aus! Dann randaliere ich!“

Dominique ist Glubb-Fan. Schon seit vielen Jahren geht er in das Stadion. Oder er schaut sich die Spiele zuhause bei seinen Groß-Eltern an.

Aber der Reihe nach...

„SCHON IN DER ERSTEN KLASSE WAR ICH DER KING“

Dominique ist in Katzwang geboren. Katzwang ist in der Nähe von Nürnberg.

Sein Vater ist früh verstorben. Zu seiner Mutter hat er keinen Kontakt.

Er lebt bei seinen Großeltern, Oma Traudl und Opa Hans. Dominique hat viele Einrichtungen besucht.
Erst war er im Kinder-Garten in Katzwang. Und dann ging er nach Nürnberg in die Jakob-Muth-Schule der Lebenshilfe.

„Schon in der ersten Klasse war ich der King. Schule hat mir Spaß gemacht. Habe viele coole Leute kennen gelernt.“

Er hatte Unterricht in Partner-Klassen. Das war an der Wahler-Grund-Schule. Eine Schule die mit der Lebenshilfe eng zusammen arbeitet. Es geht um gemeinsames Lernen.

Seinen Abschluss hat er an der Berufs-Schul-Stufe der Lebenshilfe Nürnberg gemacht.

"Vielleicht können wir im Stadion noch ein paar Bilder machen? Im Block 9 wäre geil!“

„Seit ich 18 Jahre bin, darf ich endlich richtig feiern.“ Mittlerweile ist er 22 Jahre alt.

„Ich treffe mich gerne mit Kumpels, wir gehen zum Glubb. Richtig ausflippen und Party machen! Aber ich bin immer zuverlässig.“

„Ich kenne viele Menschen.“ Das stimmt, er kennt viele Personen aus unterschiedlichen Kreisen.
Er erkundigt sich, wie es ihnen geht. Und merkt sich immer was sie erzählen.

 

„Jetzt zeige ich dir Katzwang. Das wird geil!“

„Die S-Bahn fährt alle 20 Minuten.

Nach der Arbeit nehme ich die.

Danach müssen wir noch mit dem Bus fahren. Aber das geht schnell.“

„ICH HELFE GERNE BEI PARTYS“

In der S-Bahn unterhalten wir uns. Wir sprechen über die OBA.
Und die OBA Disco mit Bird Berlin aka DJ Birdi.
Dominique ist viel mit der OBA der Lebenshilfe unterwegs.

Er ist in der Kino-Gruppe, im Fan-Treff und bei Ausflügen dabei. Wenn es Partys gibt, hilft er mit. Zum Beispiel bei Konzerten, Discos und Sommer-Festen.

Er baut die Technik auf, schreibt Schilder für die Kasse. „Ich helfe gerne bei Partys.“

„Technik interessiert mich. Das mache ich auch in der Arbeit. Wir prüfen Elektro-Geräte.“
Dominique arbeitet bei der Noris Inklusion. Seine Großeltern erzählen, dass er Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt hat.

Er möchte seinen Führerschein machen. Dafür hat er bei einem Gutachten mitgemacht. Er wurde für fahrtauglich erklärt.


„Wenn die Arbeit darunter nicht leidet, darf ich den Führerschein machen.“ Das Schwierigste wird die Theorie-Prüfung. „Ich kann mich nicht so lange konzentrieren.“

„Ein paar Übungs-Fragen habe ich schon gemacht.“

„Wenn wir da sind, zeige ich dir mein Zimmer. Und den Highlander.“

Der Highlander ist eine Kneipe in Katzwang. Dominique hat da Silvester gefeiert.

„Wir haben Schnaps getrunken und Böller gezündet.“

„IM HIGHLANDER FEIERN WIR BIS FÜNF UHR MORGENS“

 

„Da hängen meine Kumpels und ich immer ab.

Ich habe den Besitzer gefragt, ob wir innen Bilder machen können.

Aber er hatte leider keine Zeit.“

Im Highlander treffen sich Glubb-Fans.

Das sieht man schon am Eingang. Überall sind Aufkleber.

„Wir saufen hier. Letztens mussten mich meine Kumpels nach Hause bringen.“

Dominique lacht und freut sich über die Geschichte.

Wir spazieren durch Katzwang. „Hier kennen mich alle.“


„LEA...!!“, ruft Dominique einer jungen Frau zu, die auf der anderen Straßen-Seite läuft.

 

„Sie hört mich nicht. Ich kenne sie von früher. Aus dem Jugend-Zentrum.“

 

„Ich will in Katzwang bleiben.

Hier fühle ich mich wohl.“

Das ist das Pfadfinder-Haus

"HIER WAR FRÜHER ALLES MAL WIESE“

 

Er ist seit vielen Jahren bei den Pfadfindern.

Sie fahren gemeinsam auf Freizeiten. Dominique hilft hier gerne mit.

„Früher war es hier schöner. Die Stadt hat uns die Wiese weggenommen.“

Um das Pfadfinder-Haus stehen neue Häuser und teure Autos.

Es wird immer noch gebaut. Katzwang wird größer.

„Wir gehen durch die Baustelle. Kannst du rennen?“, fragt mich Dominique. 

„Wenn die Bauarbeiter kommen, müssen wir abhauen!!!“

 

„Das ist mein Zimmer.

Wenn Kumpels da sind schauen wir Fußball.

Wir springen immer so stark, dass die Decke runterfällt.“

"ICH MÖCHTE IN EINE WG ZIEHEN"

Wir sitzen im Ess-Zimmer der Großeltern. Dominique ist auf seinem Zimmer. Sie erzählen von seinen und Ihren Plänen.
Dominique würde gerne in dem Haus wohnen bleiben. Aber das ist nicht so einfach. Es wird schwer, sich das leisten zu können. Alleine wohnen möchte er nicht. Er will in eine WG. Eine Art ambulant begleitetes Wohnen zusammen mit Freunden.
Je älter Dominique wird, desto mehr hilft er zuhause mit. Abends fragt er seinen Opa, ob er ihm Bier aus dem Keller holen soll.
Manchmal streiten sie sich. Dominique kann sehr impulsiv sein. Kürzlich gab es einen heftigen Streit. Er wurde laut. Frau Sauer zeigt mir einen Zettel, den Sie im Geldbeutel hat.
Auf dem hat Dominique sich entschuldigt und ein Herz gemalt. Beim Schreiben hat er sich viel Mühe gegeben.
„Liebe Oma, tut mir leid, dass ich dich angeschrien habe. Hab dich lieb!“
Zusammen mit zwei „Kleiner Feigling“ Flaschen hat er ihr den Zettel ins Wohnzimmer gelegt.